Frauen in der Informatik

Frauenvortragsmarathon 2025 an der CAU
Frauenvortragsmarathon: Foyer des Audimax

Bereits zum vierten Mal präsentieren die Frauen der CAU ihre Arbeit – diesmal am 7. März 2025, einen Tag vor dem Weltfrauentag. Frauen aus allen Statusgruppen, von Studentinnen bis hin zu Professorinnen, stellen auf dieser Veranstaltung ihre Projekte und Forschungsergebnisse vor. Während bei der ersten Ausgabe nur die Technische Fakultät vertreten war, gab es 2025 Teilnehmerinnen aus noch mehr Fakultäten und Instituten, die dabei waren. Im Mittelpunkt steht die Sichtbarkeit der Frauen an der CAU: Sie präsentieren ihre Fachbereiche und zeigen, welche vielfältigen Interessen und Tätigkeitsfelder sie an der Universität vertreten. Gleichzeitig macht die Veranstaltung auf bestehende Herausforderungen aufmerksam – etwa die geringe Zahl an Studienanfängerinnen, die hohe Abbruchquote oder die „Glasdecke“ in der Wissenschaft. Doch das Event will mehr als nur informieren: Die Vortragenden möchten Schülerinnen für ein Studium begeistern, Studentinnen ermutigen, ihren Weg an der Universität fortzusetzen, und Doktorandinnen sowie PostDocs zeigen, dass sich der Einsatz für höhere Ziele lohnt. Neben den Vorträgen bietet sich zudem die Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung – vielleicht entstehen dabei sogar neue interdisziplinäre Kooperationen. Veranstaltungsort war das Audimax an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel.

Von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr fanden in drei Hörsälen parallel Vorträge von Frauen aus den unterschiedlichsten akademischen Disziplinen statt. Mit drei der Referentinnen hatte ich die Gelegenheit, während und nach der Veranstaltung persönlich zu sprechen. Ihre Perspektiven bieten spannende Einblicke in das Event, die Motivation der Vortragenden und die Vielfalt der Themen.

Die Vorträge und die Frauen dahinter

Das Ehegattensplitting- Tugba Dindar

Beim Frauenvortragsmarathon am 7. März 2025 setzte sich Jurastudentin Tugba Dindar kritisch mit dem Ehegattensplitting im Steuerrecht auseinander und beleuchtete dessen gesellschaftliche Folgen. Tugba erzählte mir vor ihrem Vortrag, dass sie nur kurzfristig von der Veranstaltung gehört hatte und zunächst nicht vorhatte, sich zu bewerben. Doch als sie bemerkte, dass es noch keine Beiträge von Frauen in den Rechtswissenschaften gab, änderte sie ihre Meinung:

„Gerade wir angehenden Anwältinnen sollten auf solchen Veranstaltungen vertreten sein.“

Tugba Dindar

In ihrem Vortrag erklärte Tugba, dass die Regelung vor allem Paare mit ungleichen Einkommen begünstigt, dabei jedoch traditionelle Rollenbilder verfestigt. In ihrem Vortrag räumte Dindar mit fünf gängigen Irrtümern auf – etwa der Annahme, das Splitting sei verfassungsrechtlich geboten oder würde vor allem Familien mit Kindern entlasten.

Denn anstatt moderne Familien- und Erwerbsstrukturen zu fördern, schafft sie finanzielle Anreize, die meist Frauen dazu bewegen, auf eine eigene Karriere zu verzichten oder nur geringfügig zu arbeiten. Besonders profitieren wohlhabende Einverdiener-Haushalte, während Geringverdiener oder Alleinerziehende kaum Vorteile haben. Tatsächlich fließen die meisten Vorteile an die einkommensstärksten Haushalte und verstärken soziale Ungleichheit. Eine Überarbeitung scheint überfällig.

Tugba Dindar

Der Euklidische Algorithmus in höheren Dimensionen- Janina Reuter

Eine weitere Teilnehmerin des Events war Janina Reuter- eine wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Theoretische Informatik am Institut für Informatik der CAU. Seit über zwei Jahren arbeitet sie mit Prof. Dr. Kim-Manuel Klein von der Uni Lübeck an diesem Forschungsprojekt und hat erste Ergebnisse bereits beim Frauenvortragsmarathon 2023 vorgestellt.

Janina erzählte mir von ihrer Motivation an dem Frauenvortragsmarathon als Repräsentantin von Forscherinnen aus der Theoretischen Informatik teilzunehmen:

Role Models können erwiesenermaßen einen großen Einfluss haben und der Frauenvortragsmarathon ist eine gute und einfache Möglichkeit die Sichtbarkeit von Frauen in unterrepräsentierten Gebieten zu erhöhen. Da bin ich gerne ein Teil von.

Janina Reuter

Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Optimierung von Algorithmen.

Unser Algorithmus verallgemeinert den Euklidischen Algorithmus ins Mehrdimensionale, wodurch wir das Problem der Gitterbasenberechnung effizienter lösen können. Das ist ein sehr allgemeines mathematisches Problem, welches unter Anderem als Subroutine in der Kryptographie- sogenannte lattice based cryptography- auftritt. Das Paper wurde kürzlich bei der STOC’25 angenommen.

Janina Reuter

Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu diesem Forschungsprojekt, finden Sie auf dblp.org.

Der Sea Spray Effekt- Andrea Göhring

Eine letzte Teilnehmerin mit der ich nach dem Event sprechen konnte ist Andrea Göhring. Sie ist ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informatik der CAU in der Arbeistgruppe Informationssysteme. Auf dem Event hielt Göhring einen Vortrag über ihre Forschung zum sogenannten sea spray-Effekt.

Mein Vortrag behandelte mein Emmy-Noether-Projekt zu dem „sea spray“-Effekt auf Isotopensignaturen in Küstenregionen, der Altersbestimmungen verfälscht. Ich untersuche diesen Einfluss anhand rezenter Proben und entwickle Korrekturmöglichkeiten für archäologische Funde.

Andrea Göhring

Mehr zu Andrea Göhrings Forschung finden Sie auf researchgate.net. Göhring nahm schonmal an dem Frauenvortragsmarathon im Jahr 2023 statt und unterstützt das Event vor allem aufgrund seiner Vielfalt:

Ich finde es großartig, dass der Frauenvortragsmarathon Frauen an der CAU – von Studentinnen bis Professorinnen – die Möglichkeit gibt, ihre Arbeit oder persönliche Themen zu präsentieren. Besonders schätze ich die Vielfalt der Themen, die man so auf Fachkonferenzen selten findet.

Andrea Göhring

Dies waren nur drei von vielen Vorträgen, die jeweils etwa 20 Minuten dauerten und Raum für Diskussionen sowie Fragen aus dem Publikum boten. Ein so intensiver Tag kann natürlich hungrig machen – daher konnten sich Besucherinnen und Teilnehmerinnen den ganzen Tag über an einem reichhaltigen Buffet mit süßen und herzhaften Speisen sowie Tee, Wasser, Saft und Kaffee stärken. Initiiert und ermöglicht wurde die Veranstaltung durch das engagierte Programmkomitee.

Marianne Musinszki
Physiologisches Institut

Pamela Fleischmann (chair)
Institut für Informatik

Annika Huch (co-chair)
Institut für Informatik

Ina Pfannschmidt
Technische Fakultät

Ines Weber
Philosophische Fakultät

Außerdem auch durch das Sponsoring durch ACM-w-europe.

Organisatorinnen sowie Dorota Filipczuk (ACM-w-europe) und Rükiye Altin (ACM-w-global)

Wer nicht dabei sein konnte…

Alle Vorträge, eine Liste der Teilnehmerinnen mit ihren E-Mail-Adressen sowie die Vortragsfolien zum Download finden Sie auf der offiziellen Veranstaltungsseite: www.frauenvortragsmarathon.uni-kiel.de.

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